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Datenschutz bei Agenturen: Wer sieht was, und was du verlangen darfst

Vorhängeschlösser an einem Zaun

Eine Agentur bekommt oft tiefen Einblick: in deine Konten, deine Fan-Nachrichten, deine Verträge und deinen Ausweis. Das kann nötig sein, aber es muss nicht grenzenlos sein. Dieser Beitrag zeigt dir, welche Daten Agenturen üblicherweise sehen, wie du Zugänge sicher teilst und welche Rechte du hast.

Welche Daten eine Agentur überhaupt bekommt

Je nach Leistungsumfang landen sehr unterschiedliche Informationen bei einer Agentur. Hilfreich ist, sie in Gruppen zu sortieren, denn jede Gruppe verdient eine andere Sorgfalt:

  • Stammdaten: Name, Anschrift, Geburtsdatum, Kontaktwege, oft auch Bankverbindung für Auszahlungen.
  • Identitätsnachweise: Ausweis- oder Passkopien, manchmal ein Foto mit Ausweis, wie es Plattformen zur Altersprüfung verlangen.
  • Zugänge: Logins zu Social-Media-Konten, Content-Plattformen, E-Mail-Postfächern und Zahlungsdiensten.
  • Kommunikation: Nachrichten mit Fans, Abonnentinnen und Kunden, die im Chat-Management geführt werden.
  • Geschäftsdaten: Umsätze, Abrechnungen, Steuerangaben, Verträge.

Nicht jede Agentur braucht jede Gruppe. Eine Agentur, die nur Strategie berät, braucht deine Fan-Chats nicht. Frage deshalb zuerst: Welche Daten brauchst du für welche Leistung, und warum?

Wer deine Nachrichten liest

Im Chat-Management schreiben Mitarbeitende oder externe Dienstleister in deinem Namen mit Fans. Dann sehen sie, was Fans schreiben, und Fans sehen Antworten, die scheinbar von dir stammen. Das ist ein sensibler Bereich, über den du vor dem Start vollständig Bescheid wissen solltest.

Stelle diese Fragen schriftlich:

  • Wer genau liest und schreibt mit, intern oder bei Subunternehmen, und in welchem Land?
  • Wird in deinem Namen geschrieben, und ist das gegenüber den Fans kenntlich oder nicht?
  • Werden Chats gespeichert, ausgewertet oder für Schulungen genutzt?
  • Kommen KI-Werkzeuge zum Einsatz, und werden dabei Inhalte an Dritte übermittelt?
  • Welche Themen und Grenzen gelten, und kannst du sie jederzeit anpassen?

Auch die Fans haben Datenschutzrechte. Eine Agentur, die ihre Chats auswertet oder weitergibt, sollte darüber transparent sein. Ob und wie eine solche Verarbeitung zulässig ist, hängt von den Umständen ab. Das ist ein Punkt für eine Fachberatung, nicht für Vermutungen. Was gutes Chat-Management sonst ausmacht, steht in Was eine gute Agentur leistet.

Account-Zugänge und Zwei-Faktor-Anmeldung

Der Zugang zu deinen Konten ist der wohl wichtigste Punkt dieses Beitrags. Wer deine Logins hat, kann Inhalte veröffentlichen, Nachrichten lesen und im schlimmsten Fall dich aussperren. Deshalb gilt: Gib möglichst nie dein Hauptpasswort weiter.

Besser als ein geteiltes Passwort

  • Rollen und Einladungen: Viele Plattformen und Werkzeuge erlauben Zusatzkonten mit eingeschränkten Rechten. Prüfe in den Nutzungsbedingungen der jeweiligen Plattform, was erlaubt ist.
  • Eigene Zugänge pro Person: So lässt sich später genau sperren, wer ausscheidet.
  • Passwortmanager: Teile Zugänge nur über geeignete Werkzeuge, nicht per Messenger oder E-Mail.
  • Ein eigenes Postfach: Die E-Mail-Adresse, an die Wiederherstellungsnachrichten gehen, sollte in deiner Hand bleiben.

Zwei-Faktor-Anmeldung (2FA)

Bei der 2FA braucht es neben dem Passwort einen zweiten Nachweis, meist einen Code aus einer App oder per SMS. Entscheidend ist, wer den zweiten Faktor kontrolliert. Liegt er allein bei der Agentur, hat sie faktisch die Hoheit über dein Konto. Besser ist, wenn der Faktor bei dir bleibt oder du jederzeit Zugriff auf Wiederherstellungscodes hast. Bewahre diese Codes selbst und offline auf.

Ausweiskopien: wann, wie, wie lange

Dass eine Agentur einen Identitätsnachweis sehen möchte, ist nicht automatisch verdächtig. Plattformen verlangen Altersnachweise, Auszahlungsdienste prüfen Identitäten, und Agenturen müssen wissen, mit wem sie einen Vertrag schließen. Trotzdem gilt: So wenig wie nötig, so geschützt wie möglich.

  1. Zweck klären: Wofür genau wird die Kopie gebraucht? Verlange eine Antwort, die sich auf einen konkreten Vorgang bezieht.
  2. Schwärzen: Was für den Zweck nicht nötig ist, etwa Zugangsnummer oder Seriennummer, kann geschwärzt werden. Frage die Agentur oder die Plattform, was sie wirklich braucht.
  3. Kennzeichnen: Schreibe auf die Kopie, wofür sie bestimmt ist und an wen sie geht. Das erschwert Missbrauch.
  4. Sicher übermitteln: Nutze verschlüsselte Wege oder ein Portal, keine offenen Messenger-Chats.
  5. Löschfrist vereinbaren: Frage, wie lange die Kopie aufbewahrt wird und wann sie gelöscht wird.

Eine Agentur, die deinen Ausweis per E-Mail anfordert, ohne Zweck und ohne Aussage zur Aufbewahrung, hat ein Transparenzproblem. Das fließt in unsere Bewertung ein, wie die Methodik beschreibt.

Was du verlangen darfst

Sofern deine Daten in der EU verarbeitet werden, gilt in der Regel die Datenschutz-Grundverordnung. Sie gibt dir als betroffener Person Rechte gegenüber jedem, der deine Daten verarbeitet, also auch gegenüber einer Agentur. Vereinfacht:

RechtWas es bedeutet
InformationDu erfährst, welche Daten zu welchem Zweck verarbeitet werden und an wen sie gehen.
AuskunftDu kannst eine Kopie deiner gespeicherten Daten anfordern.
BerichtigungFalsche Angaben müssen korrigiert werden.
LöschungUnter bestimmten Voraussetzungen müssen Daten gelöscht werden, etwa wenn sie nicht mehr gebraucht werden.
Einschränkung und WiderspruchIn bestimmten Fällen kannst du eine Verarbeitung begrenzen oder ihr widersprechen.
DatenübertragbarkeitUnter Voraussetzungen kannst du deine Daten in einem gängigen Format erhalten.

Auskunftsanfragen musst du nicht begründen. Eine einfache, schriftliche Nachricht reicht. Als grobe Orientierung gilt eine Antwortfrist von einem Monat, die sich unter Umständen verlängern kann. Genaue Regeln und Ausnahmen, zum Beispiel gesetzliche Aufbewahrungspflichten für Rechnungen, solltest du bei Bedarf mit einer Datenschutzberatung klären. Bei Streit kannst du dich an die zuständige Datenschutzaufsicht wenden.

Was in den Vertrag gehört

Ein Vertrag oder eine Anlage sollte klar beschreiben, wie mit deinen Daten umgegangen wird. Sind Dienstleister im Spiel, die in deinem Auftrag oder im Auftrag der Agentur Daten verarbeiten, braucht es in der Regel eigene Vereinbarungen. Du musst die Fachbegriffe nicht beherrschen, aber nach Folgendem fragen dürfen:

  • Eine verständliche Datenschutzerklärung der Agentur mit Ansprechperson für Anfragen.
  • Eine Liste der Dienstleister, die Zugriff auf deine Daten haben.
  • Regeln für Zugriffsrechte: Wer darf was, und wie wird protokolliert?
  • Eine feste Löschfrist für Identitätsnachweise, Zugänge und Material nach Vertragsende.
  • Eine Pflicht zur Information, wenn es zu einem Datenschutzvorfall kommt.

Wie Material und Nutzungsrechte nach dem Ende behandelt werden, erklärt der Beitrag Content-Rechte im Agenturvertrag. Für den gesamten Vertrag hilft dir die Vertrags-Checkliste.

Hinweis zu uns selbst: Wie wir mit Daten umgehen, steht in unserer Datenschutzerklärung.

Häufige Fragen

Darf eine Agentur meine Fan-Nachrichten mitlesen?

Wenn Chat-Management zum Leistungsumfang gehört, ja, dann liest sie zwangsläufig mit. Du darfst aber wissen, wer genau das ist, wo die Daten gespeichert werden und ob Dritte oder KI-Werkzeuge beteiligt sind. Lass dir das schriftlich bestätigen.

Soll ich meiner Agentur mein Passwort geben?

Nach Möglichkeit nicht. Nutze Rollen, Einladungen oder eigene Zugänge, wo die Plattform das erlaubt, und behalte immer eigenen Zugriff, auch auf den zweiten Faktor. Prüfe die Nutzungsbedingungen der jeweiligen Plattform.

Muss ich meinen Ausweis an die Agentur schicken?

Das hängt vom Zweck ab. Plattformen und Auszahlungsdienste verlangen Nachweise, oft direkt bei ihnen. Frage, wofür die Agentur eine Kopie braucht, übermittle sie sicher, schwärze Unnötiges und vereinbare eine Löschfrist.

Wie bekomme ich heraus, was die Agentur über mich gespeichert hat?

Mit einem formlosen schriftlichen Auskunftsersuchen. Du musst es nicht begründen. Die Agentur muss in der Regel in angemessener Frist antworten. Bei Problemen kannst du eine Beratung oder die Datenschutzaufsicht einbeziehen.

NB
Nina B.Creator-Perspektive & Recherche

Nina recherchiert aus Sicht von Creatorinnen: Was wird im Alltag wirklich gebraucht, was versprechen Agenturen, und was kommt davon bei dir an?

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